Jetzt bin ich schon fast eine Woche in London und seit Montag arbeite ich von 9 Uhr früh bis 6 Uhr abends. Nicht einfach, vor allem wenn man es nicht mehr gewöhnt ist früh ins Bett zu gehen, aber ich tu mein Bestes :D
Die meiste Zeit während meiner Arbeit habe ich bis jetzt vor dem Computer verbracht, was echt ganz schön schlaucht. Aber es macht auf jeden Fall Spaß und die Leute mit denen ich arbeite sind total nett. Wie alle hier. Alle sind nett. Ständig wird man gefragt, ob alles gut ist, wie es einem geht und und und.
Ich arbeite mit vier Frauen und drei Männern zusammen im Salesbereich, das bedeutet, dass wir Listen von den Kollektionen mit Preisen, Bildern und Verfügbarkeit immer auf dem neusten Stand halten, uns um neue Kunden kümmern und Bestellungen von schon-Kunden annehmen. Abgesehen davon bereiten wir die sogenannten Showrooms vor in denen dann interessierten Geschäftsführern die Kollektion gezeigt wird. Das bedeutet, dass man ab und an in den tollsten Raum des Unternehmens gehen kann um zwischen Klamotten zu wühlen. :D
Der Raum ist etwas kleiner als mein Zimmer hier und von oben bis unten mit Kleidern, Tops, Jacken, Hemden, Taschen und und und gefüllt. Teilweise extrem unübersichtlich, von meinen Mitarbeitern als "a mess" bezeichnet, aber trotzdem ein absoluter Traum!
Einer meiner Mitarbeiter ist Franzose und hat einige Zeit in Deutschland verbracht, weswegen er ganz gut Deutsch spricht und das auch gerne. Ihm helfe ich zum Beispiel manchmal, wenn er nicht weiß wie er sich in einer E-mailam besten ausdrücken soll, kommt aber nicht oft vor. :D
Die Stunde vor und nach meiner Arbeit ist immer weniger schön als das dazwischen, da ich durch meine Arbeitszeiten die Rushhour gekonnt mitnehme. Ein paar Haltestellen mit dem Bus sind relativ in Ordnung, es passiert selten, dass man mal stehen muss. Dafür ist die Ubahnfahrt umso schlimmer.
Gestern früh war die bis jetzt schlimmste Fahrt.
Ich stehe am Tooting Broadway, die Ubahn kommt in einem beängstigendem Affentempo angerast, bremst quietschend und ich suche verzweifelt nach einem naheliegendem Abteil das nicht schon voll ist. Aber nichts ist. Also steige ich dort ein, wo es noch am leersten aussieht. Trotzdem gibt es weder einen Sitzplatz, noch ist der Gang zwischen den Sitzen frei. Ich stelle mich also an die Tür neben die Scheibe die Eingangsbereich von der Sitzreihe trennt. So weit so gut. Aber dann halten wir an der nächsten Haltestelle und an der danach und es steigen immer mehr Leute ein.
Überall Arme, Schultern, Rücken, Taschen und ich als kleiner Mensch habe zwischen diesen ganzen Leuten natürlich schlechte Karten.
Von der einen Seite also Menschen ohne Ende und auf meiner anderen Seite die Glasscheibe, schöön eng. Und als ob das nicht reichen würde und als ob das Abteil nicht schon voll genug wäre, stehen an der nächsten Haltestelle ein paar Verrückte die denken sie kommen auch noch rein. Und irgendwie haben die das auch noch geschafft. Ich lerne die Scheibe also noch etwas näher kennen und warte auf die Ansage der nächsten Haltestelle. Als endlich "Elephant & Castle" ertönt bin ich echt erleichtert, weil dann doch so ein bisschen Platzangst auftaucht.
Aus der Bahn raus, die 111 Stufen lange Treppe nach oben (nein, ich quetsche mich nicht noch mal mit einem Haufen Menschen zusammen, nur um den Fahrstuhl nutzen zu können) und dann endlich an die Luft.
Aber Schluss mit den schlimmen Erzählungen. Bis jetzt geht es mir echt gut hier. Meine Familie ist super nett, das Essen ist lecker und glücklicherweise nicht zu scharf. Die Kommunikation funktioniert, auch wenn ich mir manchmal am liebsten gegen den Kopf schlagen würde, weil ich die einfachsten Wörter bei meiner Gastfamilie nachfrage. :D
So viel erst mal von mir. Mehr gibts, wenn was interessantes passiert (möglicherweise mein erstes richtiges Wochenende hier), wird sicher bald der Fall sein.
Bis bald,
eure Helen :)
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